Das Internet aus Genderperspektive

Doris Aschenbrenner während der Veranstaltung "Internet aus Genderperspektive"
Doris Aschenbrenner während der Veranstaltung "Internet aus Genderperspektive"

Das Referat Gleichstellung der Universität Würzburg hat im Rahmen der Aktionstage „Gesellschaft Macht Geschlecht“ die Netzpolitikerin Doris Aschenbrenner eingeladen einen Vortrag zum Thema „Das Internet aus Genderperspektive“ zu halten. Die Veranstaltung war gut besucht und zeigt, dass das Thema nicht nur Hardcore-Feministinnen interessiert.

Zu Beginn ihres Vortrags zitierte Doris die Bitcom Studie von 2011 und belegt anhand der Daten, dass es im Bezug auf Internetnutzung und den Zugang keinen nennenswerten Gender-Gap mehr gibt. Mehr als 70% aller weiblichen bzw. männlichen Befragten gaben an, das Internet privat und/oder beruflich zu nutzen. Das ist eine erfreuliche Nachricht. Allerdings wurde die Frage aufgeworfen, ob die virtuellen Welten auch die gesellschaftlichen Geschlechtsstereotypen verändern können. Hier ergibt sich aus Genderperspektive ein Problem der Definition des Internets. Auf der einen Seite könne man das Internet als reine Männerdomäne ansehen, da es sich um ein technisches Medium handle. Damit würden aber die alten Rollenklischees weiterhin bedient und verfestigt. Auch die Definition des Internets als weibliches Medium, da Frauen angeblich kommunikativer wären, verfestigt alte Vorstellungen, allerdings bietet es immerhin die Chance einen neuen Technik-Begriff zu etablieren, der auch Frauen Technikverständnis zuspricht.

Dem gegenüber steht eine neue Möglichkeit der virtuellen Welten, der aus Genderperspektive der begrüßenswerte ist, nämlich der „geschlechtlose“ User, bei dem alle Stereotype aufgelöst sind. Das ist die Chance des Internets die Dekonstruktion der Geschlechter voranzutreiben. Dass dies heutzutage allerdings (noch) nicht überall erfolgreich ist, wurde im dritten Teil des Vortrags deutlich. Es gibt empirisch nachweisbare Unterschiede an der sichtbaren Beteiligung im Internet zwischen Männern und Frauen. Bei Diskussionsbeiträgen zeigen empirische Studien, dass sich typisch männliches und weibliches Schreibverhalten unterscheiden lässt. Dies wird dadurch untersuchbar, da viele Seiten leider bei der Anmeldung das Geschlecht binär abfragen und damit die Chance des „geschlechtslosen“ Users nicht wahrnehmen.

Das lässt sich auch bei der Wikipedia analysieren. Hier ist das weibliche Geschlecht sowohl bei den Leserinnen, als auch bei den Schreiberinnen klar in der Minderheit, wobei bei der zweiten Gruppe der Unterschied eklatant ist. Dies ließe laut Doris auch den Schluss zu, dass eher „männliche“ Themen in der Wikipedia auftauchen und bspw. die Artikel von wichtigen (feministischen) Frauen in ihrer Länge und Ausführlichkeit den Artikeln ihrer männlichen Kollegen in einigem nachstehen.

Auch beim Bloggen, das nachweislich von mehr Frauen als Männern betrieben wird, zeigt sich ein Ungleichgewicht. Denn 70% der häufig gelesenen A-Blogger sind männlich. Das ist erstaunlich. Ein weit verbreitetes Problem, dass natürlich nicht nur feministische Blogs und Seiten betrifft, ist der Kampf gegen Trolls und Shitstorms.

Auch das Thema Sexismus in Online-Games darf im Rahmen eines solchen Vortrags nicht fehlen. Es fällt ins Auge, dass weibliche Spielfiguren wie Lara Croft überzeichnet und unnatürlich dargestellt werden. Oft haben sie sehr wenig an. Interessant in dem Zusammenhang ist eine zitierte Umfrage der GameStar nach der Rollenwahl von Spielern. Demnach bleiben ca. 2/3 aller Männer ihren Geschlecht treu und spielen männliche Charaktere. Bei den Frauen ist es anders herum. 2/3 aller befragten Frauen gaben an einen männlichen Spiele-Charakter zu spielen. Dies lässt sich allerdings auch darauf zurückführen, dass die meisten Spiele-Entwicklern männlich sind. Alles in allem lässt sich das Resümee ziehen, dass das Internet zwar gewaltige Möglichkeiten bietet, allerdings immer noch mehrheitlich von Männern die Inhalte gestaltet werden. Dies muss sich in Zukunft ändern und daran müssen alle mitarbeiten.

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